Klimawandel und Vegetationsentwicklung
1) Beginn der Apfelblüte in [Tag des Jahres]
2) Dauer der Vegetationsperiode in [d]
Stand: 30.06.2026
Bedeutung
Bedeutung - a2
Die Phänologie (Lehre von den Erscheinungen) befasst sich mit den im jahreszeitlichen Ablauf periodisch auftretenden Erscheinungen der Pflanzen- und Tierwelt, z.B. Blattaustrieb, Blüte und Blattfall, Zugverhalten und Paarungszeit von Vögeln. Phänologische Beobachtungen der Pflanzen erfassen die wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen, also die Eintrittszeiten charakteristischer Entwicklungsstadien (Phasen) der Pflanzen. Aus den Eintrittszeiten phänologischer Phasen kann der Einfluss veränderter Umweltbedingungen, v.a. Änderungen von Witterung und Klima, auf die Vegetationsentwicklung ermittelt werden. Verschiebungen phänologischer Phasen in Abhängigkeit von Temperaturveränderungen sind wissenschaftlich belegt und indizieren die Wirkung von Klimaänderungen in der belebten Natur. Langjährige Datenreihen haben dabei einen hohen Stellenwert.
Vor allem in gemäßigten Klimazonen wie Deutschland ist die Temperatur ausschlaggebend für die zeitliche Abfolge der phänologischen Phasen. Insbesondere die Frühlingsphasen (Vor-, Erst-, Vollfrühling, d.h. das Aufbrechen der Knospen, der Blattentfaltung und der Blüte der Pflanzen) zeichnen sich durch eine starke Korrelation mit der Temperatur aus (maßgeblich ist die Temperatur der einer Entwicklungsphase vorausgehenden 2-3 Monate.); der Eintritt der Herbstphasen dagegen wird von zahlreichen anderen Faktoren (z.B. Niederschlagsmenge im Sommer, Einstrahlung etc.) mitbestimmt.
Verschiebungen der Phasen können Auswirkungen für den Obst- und Weinbau, die Landwirtschaft und den Wald sowie für Lebensgemeinschaften und Arten haben. Denkbar sind veränderte und neue Konkurrenzen und Wechselwirkungen. Zudem bleibt auch bei früherem Blühbeginn infolge wärmerer Frühjahrstemperaturen weiterhin die Gefahr von Spätfrösten z.B. für die Obstblüte bestehen. Je nach Stärke und Andauer der Frostereignisse werden Blüten geschädigt und damit der Fruchtansatz reduziert, so dass nachfolgende Ertragsverluste möglich sind.
Hinweise zur Interpretation
Hinweise zur Interpretation - a2
Beide Indikatoren sind normiert. Bei einer länderübergreifenden Interpretation sind ergänzend die von Klimamodellen projizierten regionalen Unterschiede der Klimaveränderungen und deren Folgen (z.B. für biologische Vielfalt und Landwirtschaft) zu beachten.
Die aufeinander folgenden 30-jährigen Betrachtungszeiträume überschneiden sich um jeweils 29 Jahre. Dennoch ermöglicht die Auswertung den Verlauf der Veränderung aufzuzeigen. Daten für beide Indikatoren stehen jährlich zur Verfügung.
Bei der Apfelblüte deuten niedrige Werte auf eine Verfrühung und höhere Werte auf eine Verspätung des Eintritts des Vollfrühlings hin. Bei der Vegetationsdauer deuten niedrige Werte auf eine Verkürzung und höhere Werte auf eine Verlängerung der Vegetationsperiode hin.
Methodik
Methodik - a2
Als Indikator für den langfristigen Entwicklungsgang der Vegetation, abhängig von den Jahreszeiten, wird der Beginn der Apfelblüte als Anzeiger des Eintritts des Vollfrühlings gewählt. Zusätzlich wird die Veränderung der Dauer der phänologischen Vegetationsperiode abgebildet, erfasst durch die Zeitspanne zwischen dem (relativ frühen) Blühbeginn der Salweide und der Blattverfärbung der Stieleiche als phänologischer Zeiger für den Eintritt des Spätherbstes. Damit ist eine Annäherung an die landwirtschaftliche Vegetationsperiode gegeben.
1) Beginn der Apfelblüte in Tag des Jahres: Berechnung des gleitenden 30-jährigen Mittels
In die Berechnung gehen die Daten der Beobachtungsstationen der Bundesländer ein; daraus werden zunächst die jährlichen Mittelwerte und nachfolgend die 30-jährigen Mittelwerte für die Bundesländer berechnet. Für Deutschland werden die Daten aller Bundesländer herangezogen; daraus wird dann der Mittelwert für den jeweiligen 30-Jahres-Zeitraum berechnet. In der Grafik und Tabelle ist (aus technischen Gründen) jeweils das letzte Jahr der 30-Jahres-Periode angegeben.
2) Dauer der Vegetationsperiode (Kalendertag Blattverfärbung Stieleiche minus Kalendertag Blühbeginn Salweide) in Tagen: Berechnung des gleitenden 30-jährigen Mittels
Zunächst werden die jährlichen Mittelwerte aus den Daten der einzelnen Bundesländer gebildet, für Deutschland aus den Daten aller Bundesländer; daraus wird dann der Mittelwert für den gesamten 30-Jahres-Zeitraum je Bundesland bzw. für Deutschland berechnet. In der Grafik und Tabelle ist (aus technischen Gründen) jeweils das letzte Jahr der 30-Jahres-Periode angegeben.
Die Werte beziehen sich immer auf den gesamten 30-Jahres-Zeitraum. Damit wird verdeutlicht, dass nicht ein Jahr im Fokus steht, sondern ein ganzer Zeitraum. Der Zeitraum von 1961-1990 gilt als Klimanormalperiode und sollte als Vergleichszeitraum beibehalten werden.
Für die Berechnung des Indikators werden die Daten aller Beobachtungsstationen der jeweiligen Bundesländer herangezogen; es werden alle im jeweiligen Jahr zur Verfügung stehenden Daten berücksichtigt.
Datenquelle: Deutscher Wetterdienst DWD; eigene Berechnungen
Die phänologischen Daten werden zentral für das ganze Bundesgebiet durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) erhoben. Der DWD unterhält in den alten Bundesländern seit 1951 ein phänologisches Beobachtungsprogramm. Für die neuen Bundesländer liegen seit 1961 entsprechende Daten vor. Daher beginnen die Datenreihen für den Indikator einheitlich ab dem Jahr 1961. Im Jahr 2021 waren in Deutschland 1041 Beobachter aktiv.
Länderspezifika und Ziele
Länderspezifika und Ziele - a2
Datenlage Zielstellungen Baden-Württemberg Daten ab 1961 Klimaanpassungsstrategie Baden-Württemberg (2023):
Die Klimaanpassungsstrategie des Landes Baden-Württemberg soll unter anderem auf die in Naher Zukunft (2021 bis 2050) zu erwartenden Folgen des Klimawandels vorbereiten und auf mögliche weitere Entwicklungen in der Fernen Zukunft (2071 bis 2100) hinweisen. Es soll ein Prozess angestoßen werden, der dazu beiträgt, die Verwundbarkeit des Landes zu mindern, mögliche Klimafolgen zu erkennen und dabei entstehende Kosten zu senken und sich ergebende Chancen zu nutzen.
Bayern Daten ab 1961 Bayerisches Klimaschutzgesetz:
Die Ziele sind im Bayerischen Klimaschutzgesetz festgelegt. Nach Ministerratsbeschluss vom 28.04.2026 wird es gegenwärtig überarbeitet.Berlin Daten ab 1961. Für die Stadtstaaten steht kein ausreichendes Datenmaterial zur Verfügung (Auskunft DWD). Daher wurde Berlin mit Brandenburg zusammengefasst. keine Angaben Brandenburg Daten ab 1961 keine Angaben Bremen Daten ab 1961. Für die Stadtstaaten steht kein ausreichendes Datenmaterial zur Verfügung (Auskunft DWD). Daher wurde Bremen mit Niedersachsen zusammengefasst. Klimaanpassungsstrategie (2018):
Die Klimaanpassungsstrategie erkennt (...) die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation durch einen erhöhten Wasserbedarf, Trockenstress und sinkende Grundwasserstände an. Ein adaptives und phänologisches Schutzgebietsmanagement ist eine der Schlüsselmaßnahmen der Klimaanpassungsstrategie.Hamburg Daten ab 1961. Für die Stadtstaaten steht kein ausreichendes Datenmaterial zur Verfügung (Auskunft DWD). Daher wurde Hamburg mit Schleswig-Holstein zusammengefasst. keine Angaben Hessen Daten ab 1961 Klimaplan Hessen (2023):
Der Klimaplan Hessen hat eine Laufzeit bis 2030. In dieser Laufzeit sollen alle 90 Maßnahmen umgesetzt werden, um das Ziel der Klimaneutralität bis spätestens 2045 zu erreichen.Mecklenburg-Vorpommern Daten ab 1961 keine Angaben Niedersachsen Daten ab 1961 Niedersächsisches Klimagesetz (letzte Änderung 18.11.2025):
Minderung der Gesamtemissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 75%, bis zum Jahr 2035 um mindestens 90%, jeweils bezogen auf die Gesamtemissionen im Vergleichsjahr 1990 und darüber hinaus die Erreichung von Treibhausgasneutralität bis zum Jahr 2040.Nordrhein-Westfalen Daten ab 1961 keine Angaben Rheinland-Pfalz Daten ab 1961 keine Angaben Saarland Daten ab 1961 keine Angaben Sachsen Daten ab 1961 keine Angaben Sachsen-Anhalt Daten ab 1961 Als von klimatischen Randbedingungen angetriebenen Indikatoren sind die Möglichkeiten begrenzt, durch Maßnahmen innerhalb des Landes direkt auf den Indikator wirken zu können. Ziel kann es deshalb nur sein, durch Anpassung (bspw. regional getestete später blühende Apfelsorten oder spätere Aussaat von thermisch empfindlichen landwirtschaftlichen Kulturpflanzenarten) mit der Verfrühung des Blühbeginns und der Verlängerung der Vegetationsperiode verbundene Risiken wie u.a. Spätfrostgefahr oder mangelnde Wasserversorgung zu vermeiden. Das enthebt natürlich nicht von der Pflicht, die bekannten Ursachen des Klimawandels (insbesondere anthropogene THG-Emissionen) auch auf der Maßstabsebene des Bundeslandes Sachsen-Anhalt zu minimieren. Schleswig-Holstein Daten ab 1961 keine Angaben Thüringen Daten ab 1961 Vierter Indikatorenbericht 2024 zur Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie:
Die Emissionen von Treibhausgasen sollen bis 2030 (im Vergleich zu 1990) um 60 bis 70% reduziert werden.
Deutschland Daten ab 1961 Die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung steht im Einklang mit dem auf der Weltklimakonferenz 2015 in Paris vereinbarten Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C und möglichst auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Wert zu begrenzen. Daraus kann kein konkreter Zielwert für den vorliegenden Indikator abgeleitet werden. Allerdings ist grundsätzlich anzustreben, die Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt zu minimieren. Mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) fördert die Bundesregierung gezielt den Erhalt und die Wiederherstellung natürlicher Treibhausgassenken. Eine konsequente Klimaschutzpolitik wirkt so auch einer weiteren Verlängerung der Vegetationsperiode und weiteren Verschiebungen der phänologischen Jahreszeiten entgegen. Weiterentwicklung
Weiterentwicklung - a2
Die Bereitstellung der phänologischen Daten erfolgt durch den DWD (Beobachternetz). Auch bei Reduzierung der phänologischen Beobachtungsstationen ist für statistische Auswertungen sicherzustellen, dass weiterhin statistisch belastbare Datengrundlagen zur Verfügung stehen.
Für Rheinland-Pfalz und das Saarland werden andere vom DWD auf diese Bundesländer bezogenen "Produkte" zusammengefasst; zur Vereinheitlichung wird dieses Verfahren auch für phänologische Daten übernommen. Auf Dauer werden deshalb für diesen Indikator nur noch zusammengefasste Daten für Rheinland-Pfalz und das Saarland zur Verfügung stehen.
Weiterhin werden in phänologischen Gärten Vegetationsphasen an genetisch identischen Pflanzen beobachtet, um den Einfluss des Erbgutes auf den Eintritt der Entwicklungsstadien auszuschließen. Zudem werden bestimmte Anforderungen an Lage und Exposition der Versuchsflächen gestellt, um eine bessere Vergleichbarkeit der Beobachtungsergebnisse zu gewährleisten. Internationale Programme sind die „Internationalen Phänologischen Gärten“ (IPG; gegründet 1959). Derzeit existieren 65 aktive Gärten, davon 28 in Deutschland (Stand 2020) und das „Global Phenological Monitoring“ (GPM; erster Garten 1998 gepflanzt in Deuselbach/Hunsrück; derzeit insgesamt 33 Gärten, davon 28 in Deutschland (Stand 2020)). Die IPG dienen der Beobachtung möglicher Folgen des Klimawandels. In den Gärten werden phänologische Phasen wie z.B. Blattfall insbesondere an einheimischen Baum- und Straucharten beobachtet.
Wenn eine repräsentative Anzahl phänologischer Gärten in allen Bundesländern eingerichtet ist und Daten erfasst werden, ist eine Nutzung dieser Beobachtungsergebnisse zu prüfen.
Datenquellen
Ansprechpartner

Heyder, Ute
LiKi-Vertreterin
Ute Heyder
Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie
HLNUG
Dezernat I1
Rheingaustraße 186
65203 Wiesbaden
0611-6939-295
ute.heyder@hlnug.hessen.de https://www.lanuv.nrw.de
Weitere Informationen und verwandte Indikatoren
Daten A2.1 (Zeitreihe: Datum)
1961-90 1962-91 1963-92 1964-93 1965-94 1966-95 1967-96 1968-97 1969-98 1970-99 1971-00 1972-01 1973-02 1974-03 1975-04 1976-05 1977-06 1978-07 1979-08 1980-09 1981-10 1982-11 1983-12 1984-13 1985-14 1986-15 1987-16 1988-17 1989-18 1990-19 1991-20 1992-21 1993-22 1994-23 1995-24 1996-25 BW 123 124 123 123 122 122 122 122 122 121 120 120 120 119 119 119 119 119 118 117 117 117 116 116 115 114 114 113 113 112 112 112 112 112 112 111 BY 128 129 128 128 128 127 127 127 127 127 126 126 125 125 125 125 125 124 124 123 122 122 121 121 120 120 119 119 118 118 118 118 117 117 117 116 BE 127 128 127 127 127 126 126 126 126 125 125 124 124 124 124 123 123 123 122 121 121 120 120 120 119 118 118 117 117 117 117 117 116 117 116 115 BB 127 128 127 127 127 126 126 126 126 125 125 124 124 124 124 123 123 123 122 121 121 120 120 120 119 118 118 117 117 117 117 117 116 117 116 115 HB 128 128 127 127 127 126 126 126 126 125 125 125 124 124 123 123 123 122 122 121 120 120 120 120 119 118 118 117 116 116 116 116 116 116 115 115 HH 135 135 135 134 134 133 133 133 133 133 132 132 131 131 130 130 130 129 128 127 127 126 126 126 125 124 124 124 123 123 123 123 122 122 122 121 HE 126 127 126 126 126 125 125 125 125 125 124 124 123 123 123 122 122 122 121 120 120 120 119 119 118 117 117 116 115 115 115 114 114 114 113 113 MV 133 134 133 133 132 132 132 132 132 131 130 130 130 129 129 129 128 128 127 126 126 125 125 125 124 124 123 123 122 122 122 122 122 122 121 121 NI 128 128 127 127 127 126 126 126 126 125 125 125 124 124 123 123 123 122 122 121 120 120 120 120 119 118 118 117 116 116 116 116 116 116 115 115 NW 124 124 124 123 123 123 123 123 122 122 121 121 121 120 120 120 119 119 118 118 117 117 117 116 115 115 114 114 113 113 113 113 112 113 112 111 RP 124 125 124 124 124 123 123 123 123 123 122 122 121 121 121 120 120 120 120 119 118 118 117 117 116 116 115 115 114 114 114 114 113 113 113 112 SL 122 123 122 122 122 121 121 121 121 121 120 120 120 119 119 119 119 119 118 117 117 117 116 116 115 115 114 114 113 113 113 113 113 113 112 112 SN 130 131 131 130 130 129 129 129 129 129 128 128 127 127 127 127 126 126 125 124 124 123 123 123 121 121 121 120 119 119 119 119 118 118 118 117 ST 127 127 127 126 126 125 126 125 125 125 124 124 123 123 123 123 122 122 121 120 120 119 119 119 118 117 117 116 116 116 116 116 115 115 115 114 SH 135 135 135 134 134 133 133 133 133 133 132 132 131 131 130 130 130 129 128 127 127 126 126 126 125 124 124 124 123 123 123 123 122 122 122 121 TH 132 132 132 132 131 131 131 131 131 130 129 129 129 128 128 128 128 127 126 126 125 125 124 124 123 122 122 121 121 120 120 120 119 120 119 119 DE 127 128 128 127 127 126 126 126 126 126 125 125 124 124 124 123 123 123 122 121 121 121 120 120 119 118 118 117 117 116 116 116 116 116 115 115 Daten A2.2 (Zeitreihe: Dauer)
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