Stickstoffüberschüsse der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland (Flächenbilanz) Stand: 30.06.2026
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Trend 2014-2023
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Status 2023
S2
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S1
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S3
Stickstoffüberschüsse der landwirtschaftlich genutzten Fläche in kg pro Hektar
Trend im 10-Jahres Zeitraum
Status aus der Spanne der Länderwerte
+F+F
positive Entwicklung
S3
bessere 25 Prozent
KX
kein Trend
S2
mittlere 50 Prozent
-S-F
negative Entwicklung
S1
schlechtere 25 Prozent
KY
keine Analyse
S4
Ziel erreicht
S0
keine Analyse
Bedeutung
Bedeutung - b6
Ein wichtiger Gradmesser für potenzielle Umweltbelastungen durch Stickstoff-Emissionen aus der Landwirtschaft ist der Überschuss der Stickstoff-Flächenbilanz. Stickstoff wird in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt und kann - soweit er nicht von den Nutzpflanzen aufgenommen wird - auf verschiedenen Wegen (Volatilisation, Auswaschung, Erosion) in die Umwelt gelangen. Dort kann der zusätzliche Stickstoffeintrag weitreichende Auswirkungen auf den Naturhaushalt haben, u.a. Versauerung, Eutrophierung, Nitratbelastung des Grundwassers, Belastung der Oberflächengewässer und Meere, Beeinträchtigung der biologischen Vielfalt und Klimawandel.
Hinweise zur Interpretation
Hinweise zur Interpretation - b6
Das sensitivste Glied der Länder-N-Bilanz ist die N-Mineraldüngung, weil zu dieser Größe für die Bundesländer keine zuverlässigen statistischen Angaben zur Verfügung stehen. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht zwar in der Düngemittelstatistik (Statistisches Bundesamt, Fachserie 4, Reihe 8.2) Angaben zum N-Mineraldüngerabsatz nach Bundesländern. Bezogen auf die landwirtschaftliche genutzte Fläche (LF) der einzelnen Bundesländer zeigen diese Absatzmengen jedoch außerordentlich große, unplausible Diskrepanzen. Infolgedessen können diese Daten nicht verwendet werden, statt dessen muss die Höhe der N-Mineraldüngung für die Bundesländer berechnet werden. Der Berechnungsansatz geht vom gesamten N-Bedarf der angebauten Nutzpflanzen aus, von dem ein Teil durch Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung und weiteren Quellen gedeckt wird, der restliche Bedarf wird dann mit Mineraldünger zugeführt (Einzelheiten s. Häußermann et al. 2019). In Anbetracht der Schätzannahmen dieses Ansatzes sowie den weiteren Ungenauigkeiten in der Methodik der N-Bilanzierung wird die Genauigkeit der Größe N-Flächenbilanzüberschuss für Deutschland auf ca. 7 kg N/ha LF und für einzelne Bundesländer auf 5 bis 12 kg N/ha LF geschätzt. Bei der Interpretation von Unterschieden zwischen Bundesländern ist diese Größenordnung der möglichen Unschärfe zu berücksichtigen. Bei einer Auswertung der N-Bilanzierungen ist darauf hinzuweisen, dass in verschiedenen Veröffentlichungen unterschiedliche Verfahren für die Bilanzrechnung verwendet werden, die zu divergierenden Ergebnissen bezüglich der Höhe des N-Bilanzüberschusses führen. Die LIKI-Indikatoren sind also nicht oder nur eingeschränkt mit anderen Berechnungsergebnissen vergleichbar. Beim Vergleich der aktuellen Zeitreihe des N-Flächenbilanzüberschusses der Länder mit älteren Veröffentlichungen der LIKI ist darauf hinzuweisen, dass aufgrund methodischer Änderungen die aktuellen Werte Unterschiede gegenüber früheren Zeitreihen aufweisen können.
Methodik
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Das Berechnungsverfahren der Länder-Flächenbilanzierung ist beschrieben in Häußermann et al. (2019). Es wurde im Jahr 2019 weiterentwickelt und auch für rückliegende Jahre rückgerechnet. Alle Mengenangaben über Zufuhr und Entzug von Produkten sind mit wenigen Ausnahmen den Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes (destatis.de, regionalstatistik.de) zu entnehmen. Es erfolgte eine Aktualisierung und Rückrechnung der Daten mit Stand 1.6.2020
Methodik - b6
Die Flächenbilanz betrachtet die Stickstoff-Flüsse zu und von der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Auf die Fläche gelangt Stickstoff in Form von Mineraldünger, Wirtschaftsdünger (Gülle, Mist), Sekundärrohstoffdünger (Klärschlamm, Kompost), atmosphärische Einträge (netto) sowie der N-Bindung durch Leguminosen (vgl. Abb. 1: Stickstoffzufuhren in die Flächenbilanz). Beim Wirtschaftsdünger werden vorab die N-Verluste an die Atmosphäre aus den Ställen und bei der Lagerung von Wirtschaftsdüngern abgezogen. Den Zufuhren stehen die N-Abfuhren mit dem Ernteentzug entgegen, die von der Fläche abgefahren wird. Die Differenz (der Saldo) zwischen N-Zufuhr und N-Abfuhr von der Fläche bildet schließlich den N-Flächenbilanzüberschuss.
Für die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung wird als Indikator der Überschuss der N-Gesamtbilanz herangezogen. Dieser setzt sich aus den Überschüssen der in diesem Indikator erfassten Flächenbilanz, der Biogasbilanz sowie der Stallbilanz zusammen.
Länderspezifika und Ziele
Länderspezifika und Ziele - b6
Datenlage
Zielstellungen
Baden-Württemberg
Zeitreihe 1995-2023
Naturschutzstrategie BW (2013): Wir werden die Nährstoffüberschüsse der Landwirtschaft, insbesondere von Stickstoff und Phosphor, reduzieren.
Fortschrittsbericht 2022 zur Nachhaltigkeitsstrategie Hessen: Senkung des Stickstoffüberschusses der landwirtschaftlich genutzten Fläche (nach der Flächenbilanz, bezogen auf den Fünfjahresdurchschnitt) auf 40 kg/ha im Jahr 2030.
Integrierter Klimaschutzplan Hessen 2025: Einsatz Hessens für eine integrierte Strategie zur Verringerung der Emissionen der Tierhaltung. Minderung der Stickstoffüberschüsse in der Landwirtschaft durch strengere Anwendung bestehender Gesetze.
Mecklenburg-Vorpommern
Zeitreihe 1995-2023
Keine Angaben
Niedersachsen
Zeitreihe 1995-2023
Nährstoffbericht für Niedersachsen (2023/2024): Substitution beim Mineraldüngereinsatz durch Verbesserung der Stickstoffausnutzung aus Wirtschaftsdünger. Reduzierung des Mineraldüngereinsatzes auf das für die Pflanzenernährung notwendige Maß
Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Sachsen-Anhalt (2022): Der Stickstoffüberschuss soll reduziert werden. Für das Jahr 2030 ist ein Zielwert von 40 kg N/ha als Flächenbilanz-Überschuss im Mittel des Landes vorgegeben
Schleswig-Holstein
Zeitreihe 1995-2023
Nachhaltigkeitsbericht SH (2020): Auf Bundesebene ist in der Nachhaltigkeitsstrategie für den Zeitraum 2028 bis 2032 im Mittel eine Verrin[1]gerung der N-Überschüsse in der nationalen Gesamt[1]bilanz auf 70 kg N/ha landwirtschaftlich genutzter Fläche pro Jahr als Ziel implementiert
Thüringen
Zeitreihe 1995-2023
Die Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie - Indikatorenbericht 2016: Der Status quo soll erhalten bleiben
Bund
Zeitreihe 1995-2023
Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (2025): Für den Zeitraum 2026 bis 2030 soll im Mittel eine Verringerung der Stickstoffüberschüsse der Gesamtbilanz für Deutschland auf 70 Kilogramm je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche pro Jahr erreicht werden.
Weiterentwicklung
Weiterentwicklung - b6
Standardisierung von N-Bilanzen und Erweiterung des Indikators auf Gesamtbilanz-Überschuss: Der LIKI-Indikator "Stickstoffüberschuss" fokussiert auf die "Flächenbilanz" der landwirtschaftlichen Fläche, während in der Nachhaltigkeitsstrategie und der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung der "Gesamtbilanz-Überschuss" als Indikator verwendet wird. Die Gesamtbilanz bezieht neben der Flächen- auch die Stallbilanz und die Biogasbilanz mit ein, d.h. Zu- und Abfuhren von Stickstoff, die sich aus der Haltung von Nutztieren und dem Betrieb von Biogasanlagen ergeben. Die statistischen Informationen zur Berechnung von Stall- und Biogasbilanzen sind jedoch auf Länderebene nicht verfügbar. In Regionen mit hohem Viehbesatz kann der Gesamtbilanz-Überschuss ein Mehrfaches des Flächenbilanz-Überschuss betragen.(Mielenz et al. 2019).
Klärung der Begrifflichkeiten: In der umweltpolitischen Diskussion und bei der Interpretation von Ergebnissen zur N-Bilanzierung wird häufig nicht zwischen „Gesamtbilanz (Hoftorbilanz)“ und „Flächenbilanz“ unterschieden, was Missverständnisse zur Folge hat. Ähnliches gilt für die Ergebnisse von N-Bilanzierungen, die mit unterschiedlichen Methoden ermittelt worden sind. Eine Typisierung der Berechnungsansätze wird in StickstoffBW (2017) vorgestellt.
Veränderung der Datenverfügbarkeit: Infolge des stetigen Rückgangs der Zahl der Landwirtschaftsbetriebe werden agrarstatistische Daten in zunehmendem Umfang gesperrt, das heißt aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht. Die ökologische Problematik der N-Überschüsse wird allerdings auch von der EU erkannt. Zukünftig sollen daher EU-weit vertiefte Informationen zum Einsatz von Mineraldüngern in der Landwirtschaft auf der Betriebsebene erhoben werden. Die Berechnung des Indikators wird an die Änderungen der statistischen Datengrundlage anzupassen sein, wenn diese vorliegen.
Zukünftige Berechnung: Die Zeitreihe der N-Flächenbilanzen mit Regionalgliederung Kreise wurde vom Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement der Universität Gießen im Rahmen eines Forschungsvorhabens des Umweltbundesamtes für die Jahre 1995 bis 2017 berechnet (Häußermann et al., 2019) und für die Folgejahre aktualisiert (Häußermann et al., 2021; Häußermann und Bach, 2024). Die Ergebnisse wurden bisher regelmäßig für den LIKI-Indikator bereitgestellt. Die Fortführung der Zeitreihe ab 2024 ist derzeit nicht gesichert.
Literatur
Häußermann, Uwe; Bach, Martin; Breuer, Lutz (2021) Ergebnisse Stickstoff-Flächenbilanz Deutschland, Regionalgliederung Kreise, Jahre 1995-2019, Stand 21.04.2021. Universität Gießen, Institut für Ressourcenmanagement und Landschaftsökologie
Häußermann, Uwe; Bach, Martin, Klement Laura; Breuer, Lutz (2019) Stickstoff-Flächenbilanzen für Deutschland mit Regionalgliederung Bundesländer und Kreise- Jahre 1995 bis 2017. Methodik, Ergebnisse und Minderungsmaßnahmen. Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau, UBA-Texte 131/2019.
Mielenz, Henrike; Dieser, Mona; Ostermann, Anne (2019) Stickstoff-Bilanzen für die Landwirtschaft in Deutschland Zeitreihe 1990 bis 2017- Zusammenfassung und Anmerkungen zum Bilanzjahr 2017. Bericht des Julius Kühn-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde
StickstoffBW (Hrsg.) (2015) Berechnung Ermittlung der in Baden-Württemberg eingesetzten Stickstoff-Mineraldüngermenge. Abgleich von Berechnungen mit Daten auf Bundes- und Landesebene. Stand 2015. ID Umweltbeobachtung U75-S7-N11
StickstoffBW (Hrsg.) (2017) Berechnung Klärung der Anforderungen an die Stickstoffbilanzierung. Bund-Länder-Fachgespräch Stickstoffbilanz (FGNB), ID Umweltbeobachtung U26-S7-N17
Datenquellen
Datenquelle - b6
Häußermann, Uwe und Bach, Martin, Universität Gießen, im Auftrag des Umweltbundesamtes: „Aktualisierung der Eingangsdaten zum Betrieb des Modelles PFLAST und zur Fortschreibung der Zeitreihe der N-Flächenbilanzierung der Landwirtschaft für die Jahre 2022 und 2023“.